Studieren mit Kindern
Wie vereinbart man ein Studium mit dem Kinder haben? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Das ist gar nicht so leicht. Notwendig sind: gute Organisation, viel Durchhaltevermögen und keine übertriebenen Erwartungen. Ein Fernstudium hat dabei entscheidende Vorteile gegenüber dem „normalen“ Studium. Doch auch ein Fernstudium ist ganz ohne Fremdbetreuung der Kinder kaum zu bewältigen. In diesem Artikel will ich meine persönlichen Erfahrungen mit dem Studium als Mutter schildern und beschreiben, wie ich es geschafft habe, mein Studium zu vollenden.
Elternzeit als Orientierungsphase
Als ich mein erstes Kind bekam, hatte ich bereits ein abgeschlossenes Studium hinter mir und einige Jahre Berufserfahrung gesammelt. Aber nachdem ich in meinem damaligen Job keine große Zukunft mehr sah, spielte ich bereits vor der Schwangerschaft mit dem Gedanken, mich beruflich umzuorientieren. Das erste Jahr gehörte aber erstmal ganz und gar dem Baby und allen damit verbundenen Umstellungen.
Allmählich begann ich dann aber über meine berufliche Zukunft nachzudenken. Nach einigem Hin und Her entschloss ich mich schließlich für ein Fernstudium an der FernUniversität in Hagen. Dies bietet vor allem aufgrund seiner Flexibilität für Mütter viele Vorteile, die ich hier bereits beschrieben habe.
Hochschwanger bei der Prüfung
Der Wiedereinstieg ins Studieren fiel mir gar nicht so leicht. Das Lernen musste ich gute acht Jahre nach meinem ersten Studienabschluss tatsächlich erst wieder lernen. Kaum hatte ich beschlossen zu studieren, fand ich heraus, dass ich erneut schwanger war und der Geburtstermin nur wenige Tage nach der ersten Klausurenwoche lag. Das änderte aber nichts an meinen generellen Planungen.
Schon nach wenigen Wochen wurde mir außerdem klar, dass das von mir angedachte „nebenbei, am Wochenende und am Abend“ studieren so nicht funktionierte. „Nebenbei“ lässt sich mit einem um Aufmerksamkeit ringenden Kleinkind wenig erledigen. Und an meinen Abenden und Wochenenden wünschte ich mir dann auch eher etwas Entspannung. Außerdem ist ein Studium an der FernUniversität in Hagen eben auch ein ganz normales Studium mit dem ganz normalen Zeitaufwand. Die in der Beschreibung meines Studiengangs für ein Teilzeitstudium angesetzten 20 Wochenstunden Arbeitszeit habe ich zwar nie ganz geschafft (oder gebraucht). Aber nur fünf Stunden die Woche reichten eben auch nicht. Und natürlich ist das Studentenleben auch grundsätzlich ein anderes als für kinderlose Kommilitonen. Studentenpartys habe ich jedenfalls keine besucht.

Kinderbetreuung als Erleichterung
So ging das erste Semester eher schleppend vorüber und endete auch mit nur einer statt mit zwei abgeschlossenen Prüfungen. Schließlich wollte ich nicht mitten im Hörsaal ein Baby bekommen. Auch das zweite und dritte Semester verliefen eher schleppend, schließlich hatte ich jetzt nicht nur ein Kleinkind, sondern auch noch ein Baby, das nicht allzu viel von Schlafen hielt. Mehr Zeit für das Studium konnte ich erst aufwenden, als schließlich beide Kinder in der KiTa waren.
Wobei es immer noch saisonale Schwankungen gab: Die Erkältungszeit im Herbst und Winter war gerade in den ersten Jahren von schlaflosen Nächten und kuschelbedürftigen Kindern am Tag geprägt. Da blieb wenig Zeit und Kraft fürs Lernen, zumal wenn ich mich am Ende dann oft noch selbst ansteckte. Jetzt während der Corona-Krise stehen studierende Mütter deshalb auch unter besonderem Druck. Ohne die minutiös geplanten Betreuungszeiten kann das Studium nur schwer normal weiterlaufen. Da hilft nur durchhalten und versuchen, sich trotzdem die grundsätzliche Motivation zu erhalten (wie das gelingen kann, beschreibe ich hier).
Dank Flexibilität und Ausdauer ans Ziel
Das Gute an meinem Fernstudium war, dass ich selbst bestimmen konnte, wie viele Klausuren ich jedes Semester schreiben wollte. So waren es eben mal nur eine, dann sogar bis zu drei Klausuren. Außerdem hatte das Fernstudium den Vorteil, dass ich nicht an feste Vorlesungszeiten gebunden war. Wenn also mal kurzfristig etwas dazwischenkam, ließ sich das durch Abendschichten immer noch einigermaßen ausgleichen (mehr zur flexiblen Handhabung der Studienleistungen und zum generellen Ablauf eines Fernstudiums beschreibe ich hier).
Besonders stressig waren immer die letzten Wochen vor den Klausuren. Da ich meine Lernbemühungen intensivieren musste, gab es für die Kinder an den Wochenenden dann immer mal wieder Ausflüge mit Papa oder den Großeltern. Je älter die Kinder wurden, desto unproblematischer wurde es. Letztendlich habe ich auch nur zwei Monate länger gebraucht, als die für ein Teilzeitstudium veranschlagten neun Semester. Gelohnt hat sich das Studium auf jeden Fall. Ich habe viel neues Wissen erworben und jetzt einen toll Job gefunden.
Hallo 🙂 ich freue mich auf deinen Blog gestoßen zu sein! Ich habe einige Fragen zum Thema studieren mit Kindern und hoffe, dass du mir vielleicht was davon beantworten kannst da du das ja schon durch hast! Ich frage mich, ob du damals ein Vollzeit oder Teilzeit Fernstudium absolviert hast? Und ob du Bafög Anspruch hattest?
Ich muss mich demnächst entscheiden, ob ich ein Vollzeit oder Teilzeit Studium anfangen möchte und muss meine Schwangerschaft da mit einplanen… Bei einem Teilzeit Studium hat man ja keinen Bafög Anspruch, aber würde das auch im Falle der Schwangerschaft und später der Kindererziehung gelten?
Viele Grüße
Elisa
Hallo Elisa! Ich freue mich über dein Interesse an meinem Blog. Leider kenne ich mich mit dem Thema Bafög nicht sehr gut aus, da ich selbst keinen Anspruch auf Bafög hatte. Ich habe mich für ein Teilzeitstudium an der Fernuni Hagen eingeschrieben, da ich weiter bei meinem alten Arbeitgeber angestellt war, auch wenn ich nicht gearbeitet habe, sondern in Elternzeit war. Je ein Jahr pro Kind habe ich dann ganz normal Elterngeld bekommen, den Rest der Studienzeit mussten wir aber mit dem Gehalt meines Manns überbrücken. Ich denke, wenn du auf Bafög angewiesen bist, solltest du dich eher für ein Vollzeit-Studium einschreiben. Am besten lässt du dich da aber nochmal von der Studienberatung an deiner Wunschuni oder -hochschule beraten. Ich denke, die kennen sich in diesen rechtlichen und finanziellen Fragen ganz gut aus.
Viele Grüße
Isabella